Business As Usual – Men At Work (1981 vs. MoFi)

Mit Business As Usual eroberten Men At Work 1981 die Charts. Jetzt möchte die Version von MoFi Top-Klang aus dem Pop-Klassiker herausholen. Geht das überhaupt?

Wie entstand Business As Usual von Men At Work?

Business as Usual ist das erste Studioalbum der australischen Gruppe Men At Work und erschien im November 1981. Der Song Who Can It Be Now war bereits ein Hit in Australien, bevor die Band im Studio die Arbeit an ihrem ersten Longplayer begonnen hatte. Auch ihr bis heute größter Hit Down Under war bereits zuvor erschienen. Allerdings als B-Seite ihrer ersten (erfolglosen) Single Keypunch Operator. Für Business As Usual wurde Down Under nochmals überarbeitet und sollte in der neuen Fassung zum weltweiten Hit für die Band werden.

Das Album führte 15 Wochen in Folge die US-Charts auf Platz eins und vieler weitere Länder an an und gilt als die erfolgreichste Platte einer australischen Gruppe ever. Im Februar 2010 entschied ein Gericht in Sydney, dass der größte Hit des Albums Down Under von dem 1934 geschriebenen und nur in Australien bekannten Song Kookaburra Sits in The Old Gum Tree abgekupfert habe. Allerdings musste Songwriter Colin Hay nur 5% der Vervielfältigungsrechte als Kompensation an die Rechteinhaber abgeben. Fun Fact am Rande: Ich habe Kookaburra… mal gehört und konnte keine Ähnlichkeit feststellen.

Men At Work – Business As Usual, 1981
Men At Work – Business As Usual, Mobile Fidelity Sound Lab, 2016

Welche Versionen von Business As Usual vergleichen wir?

Pressung 1: Die europäische Erstpressung aus dem Jahr 1981 verwendet dieselbe Covergestaltung wie die australische Version in schwarz und weiß. Das Vinyl wiegt 134g und steckt in einer bedruckten Innenhülle mit den Texten und einem schlichten Single Sleeve.

Pressung 2: In den USA erschien das Album knapp ein halbes Jahr später und erhielt das gelb-schwarze Design. Diese Gestaltung übernahm Mobile Fidelity Sound Lab für seine audiophile Version des Albums. Wie immer spendierte MFSL extra schweren Karton für das Cover, das zudem zum Gatefold erweitert wurde. Die gestaltete Innenhülle wurde dabei für die Innenseiten des Gatefolds übernommen. Die 144g schwere Platte steckt in einer hochwertigen antistatischen Innenhülle und wird vom MoFi-typischen Stiffener, einer Extraschicht Karton, umhüllt

Business As Usual erschien in der Silver Label-Serie, was bedeutet, dass das originale Mastertape wohl nicht zur Verfügung stand. Im Kleingedruckten findet sich der Hinweis: „Alle hörbaren Artefakte befinden sich bereits auf dem Mastertape. Jeder Versuch, diese zu beseitigen, hätte die Integrität der Wiedergabe beschädigt.“  

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Wie unterscheiden sich die Pegel und Dynamik der 1981er- und der MoFi-Pressung?

Wellenform-Diagramm für Men At Work – Who Can It Be Now
Wellenform-Diagramm für Men At Work – Who Can It Be Now

Das Wellenform-Diagramm für Who Can It Be Now offenbart sich auf den ersten Blick keine gravierenden Unterschiede zwischen den beiden Versionen. Beide wurde maßvoll komprimiert, was sich an den abgeschnittenen Transienten zeigt. Die Abstände zwischen diesen Pegelspitzen sind jedoch in beiden Fassungen relativ groß. Es wurde beim Mastern also durchaus Raum für Dynamik gelassen

Wellenform-Diagramm für Men At Work – Down Under
Wellenform-Diagramm für Men At Work – Down Under

Das Diagramm für Down Under sieht ganz ähnlich aus wie beim vorigen Titel. Allerdings wirkt das Muster der hohen Pegel bei der MoFi-Version einen Tick dichter. Zu sehen ist dies über den gesamten Verlauf des Stücks, besonders deutlich wird es aber ganz am Ende, wenn das Stück ausgeblendet wird. Hier sind die Ausschläge der MoFi anfangs erkennbar länger als in der Originalversion. Da Mobile Fidelity beim Mastern nach unserer Erfahrung keine Kompression hinzufügt, scheint das Masterfile oder -band, das Toningenieur Krieg Wunderlich zur Verfügung stand, schon entsprechend hochkomprimiert gewesen zu sein.

Wie unterscheidet sich die Loudness der beiden Pressungen?

Loudness-Mesung für Men At Work – Business As Usual, 1981, Seite 1
Loudness-Mesung für Men At Work – Business As Usual, 1981, Seite 1
Men At Work – Business As Usual, Mobile Fidelity Sound Lab, Seite 1
Men At Work – Business As Usual, Mobile Fidelity Sound Lab, Seite 1

Die Loudness-Mesung mit dem Youlean Loudness Meter bestätigt den Eindruck der Wellenform-Diagramme. Die Seite 1 der Originalfassung besitzt einen Lautheits-Wert von -19,7 LUFS integrated (Loudness Units relative to Full Scale), für die MoFi maßen wir -17,8 LUFS integrated. Die MoFi ist also stolze 1,9 dB lauter als das Original aus dem Jahr 1981.

Loudness-Mesung für Men At Work – Business As Usual, 1981, Seite 2
Loudness-Mesung für Men At Work – Business As Usual, 1981, Seite 2
Loudness-Mesung für Men At Work – Business As Usual, Mobile Fidelity Sound Lab, Seite 2
Loudness-Mesung für Men At Work – Business As Usual, Mobile Fidelity Sound Lab, Seite 2

Auch auf Seite 2 besitzt die Originalfassung die geringere Lautheit als die MoFi. Die Messwerte liegen hier bei -21,4 LUFS integrated (1981) und -19,7 LUFS integrated (MoFi). Die 1981er ist also erneut um 1,7 dB weniger laut als die MoFi und bietet somit mehr Raum für dynamische Details.

Wie unterscheiden sich die die Frequenzspektren der beiden Pressungen?

Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Men At Work – Who Can It Be Now
Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Men At Work – Who Can It Be Now

Das Spektrogramm für Who Can It Be Now zeigt weitere Unterschiede zwischen den beiden Fassungen. So zeigt die MoFi größere Ausschläge im Hochtonbereich oberhalb von etwa 15.000 Hertz, was häufig einen luftigeren Klangeindruck erzeugt.

Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Men At Work – Down Under
Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Men At Work – Down Under

Noch deutlicher zeigt sich dieser Unterschied im Spektrogramm für Down Under. Die Ausschläge bis an den obersten Rand des Diagramms erscheinen in beiden Fassungen ähnlich häufig und ähnlich ausgeprägt. Doch der Frequenzbereich zwischen 12.000 und 18.000 Hertz ist bei der MoFi deutlich lauter.

Frequenz-Spektrogramm (logarithmische Skalierung) für Men At Work – Down Under
Frequenz-Spektrogramm (logarithmische Skalierung) für Men At Work – Down Under

Spektrogramme mit linearer Skalierung – wie die beiden oberen Diagramme – erlauben vor allem Aussagen über den Mitten- und Hochtonberereich. Zur Beurteilung der Bässe und unteren Mitten eignen sich Spektrogramme mit logarithmischer Skala. In unserem Beispiel Down Under zeigen sich im Bass der MoFi wesentlich größere Ausschläge (violette Farbflächen). Allerdings resultiert ein Teil davon aus der stärkeren Kompression und dem damit verbundenen höheren Durchschnittspegel.

Auch diese Alben hat Krieg Wunderlich für MoFi remastert

Wie gut klingt die 1981er-Pressung von Business As Usual?

In den Höhen klingt die 1981er etwas gedeckter als die MoFi. Sofort hörbar wird dies bei Ride-Becken und Hihat, die weniger in den Vordergrund treten als bei der Vergleichspressung.

Im Bereich der Stimme oder der Gitarren lassen sich kaum Differenzen feststellen. Keyboard, Saxophon und Gitarren sind präsent und trennen sich scharf. Die Stereobühne dürfte etwas breiter sein.

Etwas blass wirkt jedoch der Bass, der zwar gut hörbar ist, aber etwas Straffung und klarere Konturen verdient hätte.

Wie gut klingt die MoFi-Pressung von Business As Usual?

Der größere Höhenanteil sorgt tatsächlich für mehr „Air“, also ein luftigeres Klangbild. Becken und Hihats sind weit im Vordergrund zu hören (ganz deutlich in I Can See It In Your Eyes). Das ist nicht besser, nur anders.

Im Mittenbereich sind die Unterschiede am geringsten. Wahrscheinlich hat Krieg Wunderlich nicht oder nur minimal eingegriffen. Allerdings wirkt die Stereobühne leicht breiter als bei der 1981er. Im Bass lässt die MoFi die Muskeln spielen ohne an Kontur zu verlieren. Dadurch treibt der Rhythmus etwas lebhafter an.

Insgesamt ist Business As Usual sicher kein audiophiles Meisterwerk, doch die MoFi macht dank des kräftigeren Bass etwas mehr Spaß. Durch die höhere Kompression ging bei der MoFi zwar etwas Dynamik verloren. Bei einem Pop-Album wie Business As Usual fällt dies jedoch weniger ins Gewicht als in anderen Musikstilen. Wir bevorzugen die MoFi.

Titelliste

Side 1

  • Who Can It Be Now
  • I Can See It In Your Eyes
  • Down Under
  • Underground
  • Helpless Automaton

Side 2

  • People Just Love To Play With Words
  • Be Good Johnny
  • Touching The Untouchables
  • Catch A Star
  • Down By The Sea
InterpretMen At Work
TitelBusiness As Usual
LabelCBSMobile Fidelity Sound Lab
Katalognummer85423MOFI 1-024
Veröffentlicht19812016
Format1×12“1×12“
Umdrehungen/Minute33 1/333 1/3
CoverSingle SleeveGatefold
BeigabenBedruckte InnenhülleStiffener
Lackschnittk.A.Krieg Wunderlich
Presswerkk.A.RTI
Matrix-Runout01-85423-1A-1 A 01-85423-3B-1 A  MoFi 1-1024 Ar 1 KW@MoFi MoFi 1-1024 Br 1 KW@MoFi
Auflage/Limitierungk.A.
Fortlaufende Nummer002652
HerstellungslandNiederlandeUSA

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