Green – R.E.M. (2016 vs. 1988)

Mit Green gingen R.E.M. einen großen Schritt in Richtung ihrer Weltkarriere. Die Vinyl-Neuauflage aus dem Jahr 2016 macht klanglich manches besser als das Original, aber auch manches schlechter.

Wie entstand Green von R.E.M.?

Green erschien im November 1988 als das sechste Studioalbum von R.E.M. und das erste, das Warner auf den Markt brachte. Nach der Veröffentlichung des Vorgängers Document war der Vertrag mit dem Label I.R.S. erfüllt, bei dem sie seit dem Debütalbum Murmur unter Vertrag standen. Alle großen Plattenfirmen zeigten großes Interesse an der Band, die in den USA bereits große Arenen füllte. Warner macht das Rennen mit einem hoch dotierten Angebot bei gleichzeitig völliger künstlerischer Freiheit für die Musiker.

Nur einen Monat nach der Vertragsunterschrift begannen die Aufnahmen in Memphis, Tennessee, im Zeitraum Ende Mai bis Anfang Juli 1988. Dabei experimentierte die Band erstmals mit Instrumenten wie der Mandoline. Außerdem tauschten die Musiker im Studio häufig die Rollen und versuchten sich an den Instrumenten ihrer Bandkollegen. Sowohl die Mandoline als auch der Instrumententausch spielte bei den nächsten Albe Out Of Time und Automatic For The People eine entscheidende Rolle.

REM Green 1988
R.E.M. – Green, Warner, D, 1988
REM Green 2016
R.E.M. – Green, Concord Bicycle Music 2016

Welche Versionen von Green vergleichen wir?

Pressung 1: Die Deutsche Erstpressung aus dem Jahr 1988 wurde im Direct Metal Mastering-Verfahren geschnitten und in Deutschland bei R/S Alsdorf auf 128g Vinyl gepresst.Sie steckt in einem Single Sleeve auf dessen Front zweimal die Zahl „4“ laminiert wurde. Im Innern findet sich eine bedruckte Innenhülle ohne weitere Besonderheiten.

Pressung 2: Zum Vergleich tritt eine „25th Anniversary Edition“ an, was sich rechnerisch nicht ganz nachvollziehen lässt. Green erschien bekanntlich 1988, das Silberjubiläum wäre also 2013 gewesen. Unser Exemplar erschien aber drei Jahre später 2016 beim Label Concord Bicycle Music. Immerhin „cut from the original analog masters“, wie der Hype-Sticker stolz verrät. Das Remastering und den Lackschnitt übernahm Chris Bellman, bevor bei RTI auf 192g Vinyl gepresst wurde. Im Innern des ebenfalls teilweise laminierten Single Sleeves steckt die gleiche bedruckte  Innenhülle wie beim Original sowie ein Download Code

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Wie unterscheiden sich die Pegel und Dynamik der 1988er- und der 2016er-Pressung?

Wellenform-Diagramm für R.E.M. – Pop Song 89
Wellenform-Diagramm für R.E.M. – Pop Song 89

Das Wellenform-Diagramm für Pop Song 89 weist keine großen Differenzen zwischen den beiden Pressungen aus. Beide wurden maßvoll komprimiert und limitiert, so dass die Pegelspitzen jeweils einen leicht ungleichmäßigen Verlauf zeigen. Es gibt also auch bei den lauteren Tönen noch einen Rest von Dynamik.

Wellenform-Diagramm für R.E.M. – Get Up
Wellenform-Diagramm für R.E.M. – Get Up

Ganz ähnlich sieht die Sache im Diagramm für Get Up aus. Allerdings mit umgekehrten Vorteichen. Denn die 2016er besitzt an den leiseren Stellen den etwas höheren Pegel. Allerdings ist der Unterschied in der Praxis wohl beinahe zu vernachlässigen.

Wellenform-Diagramm für R.E.M. – Orange Crush
Wellenform-Diagramm für R.E.M. – Orange Crush

Noch weniger Unterschiede weist das Wellenform-Diagramm für Orange Crush auf. Beide Wellen wirken beinahe identisch.

Wie unterscheidet sich die Loudness der 1988er- und der 2016er-Pressung?

Loudness-Mesung für R.E.M. - Green, Warner Bros 1988, Seite 1
Loudness-Mesung für R.E.M. – Green, Warner Bros 1988, Seite 1
Loudness-Mesung für R.E.M. – Green, Concord Bicycle Music, 2016 Seite 1
Loudness-Mesung für R.E.M. – Green, Concord Bicycle Music, 2016 Seite 1

Nachdem die Wellenformen sehr ähnlich aussahen, überrascht die Loudness-Messung mit dem Youlean Loudness Meter. Denn das Ergebnis für die 1988er Erstausgabe fällt mit -18,5 LUFS integrated (Loudness Units relative to Full Scale) gegenüber -17,0 LUFS integrated deutlich aus. Die 2016er ist also im Durchschnitt um stolze 1,5 dB lauter. Wie kann das sein? Ein genauer Blick auf das Messdiagramm zeigt, dass die Unterschiede bei den ersten Titeln der LP-Seite, also Pop Song 89 und Get Up, geringer ausfällt als bei den Titeln 3, 4, 5, und 6 dieser Seite. Bei der Neuauflage im Jahr 2016 wurden die Loudness-Unterschiede zwischen den ersten und den restlichen Titeln ausgeglichen. So kommt der insgesamt höhere Lautheitswert zustande.

Loudness-Mesung für R.E.M. - Green, Warner Bros 1988, Seite 2
Loudness-Mesung für R.E.M. – Green, Warner Bros 1988, Seite 2
Loudness-Mesung für R.E.M. – Green, Concord Bicycle Music, 2016, Seite 2
Loudness-Mesung für R.E.M. – Green, Concord Bicycle Music, 2016, Seite 2

Auf Seite 2 bescheinigt die Messung der 2016er erneut eine höhere Lautheit als der 1988er-Pressung. Mit -18,8 LUFS integrated (1988) versus -16,9 LUFS integrated (2016) fällt der Abstand sogar größer aus. Die 2016er ist also um 1,9 dB lauter als die Erstpressung. Und wie bei der Seite 1 lassen sich die größeren Dynamikreduktionen bei den Titeln 3 bis 5 ablesen.

Wie unterscheiden sich die die Frequenzspektren der 1988er- und der 2016er-Pressung?

Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für R.E.M. – Pop Song 89
Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für R.E.M. – Pop Song 89

Im Spektrogramm für Pop Song 89 muss man schon genau hinschauen, um kleine Unterschiede zu erkennen. Beispielsweise zeigt die 2016er bei etwa 18.000 Hertz die Andeutung eines Streifens, wie wir ihn bei remasterten LPs häufiger schon gesehen haben.

Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für R.E.M. – Get Up
Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für R.E.M. – Get Up

Auch das Spektrogramm für Get Up zeigt keine dramatischen Abweichungen an. Aber erneut den Hauch eines Eingriffs per Equalizer oberhalb von 18.000 Hertz.

Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für R.E.M. – Orange Crush
Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für R.E.M. – Orange Crush

Und auch das Spektrogramm für Orange Crush bringt viele Übereinstimmungen an den Tag. Beispielsweise einen „Streifen“ bei etwa 12.000 Hertz, der in beiden Versionen zu sehen ist. Allerdings auch den zuvor schon bemerkten Streifen bei 18.000 Hertz, der hier in rot besonders ausgeprägt auftaucht. Zu hören sind solche Anhebungen in höchsten Frequenzbereichen meist nicht. Eher zu spüren. Als etwas mehr Luft beispielsweise.

Frequenz-Spektrogramm (logarithmische Skalierung) für R.E.M. – Pop Song 89
Frequenz-Spektrogramm (logarithmische Skalierung) für R.E.M. – Pop Song 89

Spektrogramme mit linearer Skalierung decken Unterschiede in mittleren und hohen Frequenzbereichen auf. Unterschiede in den tiefen Lagen lassen sich in Spektrogrammen mit logarithmischer Skalierung besser darstellen. Eine Messung für Pop Song 89 fördert hier keine Unterschiede zutage. Die violetten Flächen, die für besonders energiereiche Frequenzen in den Bässen und unteren Mitten stehen, sind in beiden Spektrogrammen ungefähr gleich groß.

Wie gut klingt die 1988er Pressung von Green?

Die deutsche Erstpressung von Green ist sicher kein audiophiles Meisterwerk. Eher eine druckvolle Rockplatte, die im direkten Vergleich zur Neuauflage in den Höhen etwas harsch und hart klingt. Becken beispielsweise zischen etwas heller als auf der 2016er. Dynamisch besitzen vor allem die ruhigeren Nummern Richtung Ende jeder LP-Seite einen größeren Dynamikumfang als auf der 2016er.

Wie gut klingt die Concord Bicycle Music-Pressung von Green?

Klanglich gefällt uns die von Chris Bellman neu gemasterte Fassung besser als das Original. Die Härten in den Höhen sind zugunsten eines etwas wärmeren und runderen Gesamteindruck verschwunden. Leider wurden die Pegel und die Loudness aller Titel angeglichen. Dadurch ging hörbar etwas Dynamik vor allem bei den ruhigeren Songs verloren. Dabei handelt es sich nicht um Unterschiede wie Tag und Nacht aber um Details, die gerade audiophilen Hörern wichtig sind.

Titelliste

Side 1

  • Pop Song 89
  • Get Up
  • You Are The Everything
  • Stand
  • World Leader Pretend
  • The Wrong Child

Side 2

  • Orange Crush
  • Turn You Inside Out
  • Hairshirt
  • I Remember California
  • Untitled
REM Green 1988
R.E.M. – Green, Warner, D, 1988
REM Green 1988
REM Green 1988
REM Green 1988
REM Green 1988
REM Green 1988
REM Green 2016
R.E.M. – Green, Concord Bicycle Music 2016
REM Green 2016
REM Green 2016
REM Green 2016
REM Green 2016
REM Green 2016
InterpretR.E.M.
TitelGreen
LabelWarner Bros.Concord Bicycle Music
Katalognummer925 795-1325795
Veröffentlicht19882016
Format12“12“
Umdrehungen/Minute33 1/333 1/3
CoverSingle SleeveSingle Sleeve
BeigabenBedruckte InnenhülleBedruckte Innenhülle, Download Code
LackschnittSöhnke Bahns (BN)Chris Bellman
PresswerkRecord Service AlsdorfRTI
Matrix-Runout1-25795-A-RE 3 SRI-DMM MASTERDISK SP3 R/S Alsdorf 925795-1-A3 1-25795-B RE3 – SRI – DMM  R/S Alsdorf 925795-1-B2325795A ̶R̶1̶-̶3̶2̶5̶7̶9̶5̶-̶A̶ CB 21093.1(3)… 325795B ̶R̶1̶-̶3̶2̶5̶7̶9̶5̶-̶B̶ CB 21093.2(3)…
Auflage/Limitierung
Fortlaufende Nummer
HerstellungslandDeutschlandUSA

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