Hounds Of Love – Kate Bush (2018 vs. 1985)

Hounds Of Love von Kate Bush klang in den 1980er aufregend neu und modern. In der Version von 2018 klingt das Album sogar noch besser.

Wie entstand Hounds Of Love von Kate Bush?

Hounds of Love ist das fünfte Studioalbum von Kate Bush. Es wurde im September 1985 von EMI veröffentlicht. Schon das Vorgängeralbum The Dreaming hatte Kate Bush weitgehend im Alleingang eingespielt. Sie benötigte keine Band mehr, da sie mit dem Fairlight CMI, einem frühen Sampler bzw. Musikcomputer alle Instrumente per Keyboard spielen konnte. So etwas spornt hyperkreative Leute wie Kate Bush aber mal so richtig an. Obwohl das Album für ihre Verhältnisse floppte, ging sie für Hounds Of Love einen Schritt weiter in dieselbe Richtung. In der Scheune auf dem Familienanwesen richtete sie sich im Sommer 1983 ein 24-Spur Tonstudio ein, damit sie frei von Zeit- und Budgetbeschränkungen nach Herzenslust experimentieren konnte.

Die ersten Demos entstanden im Januar 1984. Fünf Monate lang hielt sie ihre Songideen fest und machte sich dann ans Überarbeiten, Arrangieren und Mischen. Der Mix dauerte ein weiteres Jahr. Doch der Aufwand lohnte sich. Von den fünf Titeln der ersten Albumseite wurden vier ein Hit.

Hounds Of Love alt
Hounds Of Love neu

Welche Versionen von Hounds Of Love vergleichen wir?

Pressung 1: Die Pressung aus dem Jahr 1985 ist an verschiedenen Stellen auf dem Cover und den Labels als „Club Edition“ gekennzeichnet. Welcher Club das war, bleibt ungeklärt. Die Platte wiegt 136g und steckt in einer bedruckten Innenhülle.

Pressung 2: Die Neuauflage erschien 2018 auf Kate Bushs eigenem Label The Fish People und entstammt derselben Serie wie auch schon das Debütalbum The Kick Inside.  Sie wurde von Bernie Grundman remastert und geschnitten bevor sie auf 200g Vinyl gepresst wurde.

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Wie unterscheiden sich die Pegel und Dynamik der 1985er- und der 2018er-Pressung?

Wellenform-Diagramm für Kate Bush – Running Up That Hill
Wellenform-Diagramm für Kate Bush – Running Up That Hill

Im Wellenform-Diagramm für Running Up That Hill fällt sofort auf, dass die Erstveröffentlichung einen wesentlich kleineren Dynamikumfang aufweist. Während die Pegelspitzen der unteren Welle unterschiedlich lang ausschlagen, sind die meisten Ausschläge bei der oberen Welle gleich lang und bilden beinahe einen Gerade. So lässt sich die Wirkungsweise eines Kompressor/Limiter anschaulich erklären. Der Kompressor reduziert die Dynamikunterschiede, der Limiter schneidet die Pegelspitzen ab, damit nichts übersteuert. Ziel ist es, einen möglichst hohen Durchschnittspegel zu bekommen, der sich beispielsweise bei der Ausstrahlung im Radio sehr gut durchsetzt. Bei der Neuauflage spielte Airplay keine Rolle mehr. Deshalb konnte Bernie Grundman beim Remastering viel mehr dynamische Feinheiten im Vinyl verewigen. Audiophile Hörer erleben also bei der Neuauflage viel mehr feine Dynamikunterschiede.

Wellenform-Diagramm für Kate Bush – The Big Sky
Wellenform-Diagramm für Kate Bush – The Big Sky

Noch krasser lassen sich die Dynamik-Unterschiede im Diagramm für The Big Sky nachvollziehen. Wer nur die obere Welle betrachtet, erwartet ein ziemlich gleichmäßig lautes Stück ohne viel dynamische Veränderung. Gerade mal das erste Drittel des Stücks sieht etwas heller aus. Wie das Stück gemeint war, zeigt dagegen die untere Welle. Das Stück fängt leise an und steigert sich kontinuierlich.

Fairerweise muss man sagen, dass für die Neuauflage eine andere Version von The Big Sky verwendet wurde. Diese beginnt beispielsweise im Intro nur mit Percussion ohne Snaredrum, diese setzt in der Version von 1985 sofort am Anfang des Songs ein. Auch der Fade beginnt in der jüngeren Version viel früher und erstreckt sich über einen viel längeren Zeitraum. Zudem ist die neue Fassung einige Sekunden kürzer als die Version aus dem Jahr 1985. Alles sehr merkwürdig.

Wellenform-Diagramm für Kate Bush – Under Ice
Wellenform-Diagramm für Kate Bush – Under Ice

Im Diagramm für Under Ice fällt der Unterschied dann nicht mehr so groß aus. Erneut ist die Pressung von 1985 stärker komprimiert und limitiert. Doch diese künstlerische Klangcollage wurde auch für die Erstausgabe nicht besonders fürs Radio aufpoliert. Das wäre wohl auch vergebene Liebesmüh gewesen.

Wie unterscheidet sich die Loudness der 1985er- und der 2018er-Pressung?

Loudness-Mesung für Kate Bush – Hounds Of Love, EMI 1985, Seite 1
Loudness-Mesung für Kate Bush – Hounds Of Love, EMI 1985, Seite 1
Loudness-Mesung für Kate Bush – Hounds Of Love, The Fish People 2018, Seite 1
Loudness-Mesung für Kate Bush – Hounds Of Love, The Fish People 2018, Seite 1

Mit dem You Lean Loudness Meter ermittelnToningenieure die Lautheit ihrer Aufnahmen nach dem Mastern. Hätte es das Tool schon 1985 gegeben, hätten die Kollegen beim Mastering einen Wert von -19,0 LUFS integrated (Loudness Units relative to Full Scale) für dsie Seite 1 gemessen. Falls Bernie Grundman nachgemessen hat (und vermutlich hat er das), konnte er -20,8 LUFS integrated feststellen. Die Neuauflage aus dem Jahr 2018 ist also um stolze 1,8 dB weniger laut als das Original.

Loudness-Mesung für Kate Bush – Hounds Of Love, EMI 1985, Seite 2
Loudness-Mesung für Kate Bush – Hounds Of Love, EMI 1985, Seite 2
Loudness-Mesung für Kate Bush – Hounds Of Love, The Fish People 2018, Seite 2
Loudness-Mesung für Kate Bush – Hounds Of Love, The Fish People 2018, Seite 2

Die Hits befanden sich alle auf der Seite 1 von Hounds of Love. Kein Wunder, dass die Seite 2 auch schon in der Pressung von 1985 nicht besonders ambitioniert auf Airplay optimiert wurde. -21,5 LUFS integrated haben wir für die 1985er gemessen. Sie ist also schon rund 2,5 dB weniger laut als die Seite 1.

Die Neuauflage ist hier jedoch aus audiophiler Sicht nochmals besser, weil sie mehr Dynamik zulässt. Am Ende zeigte das Messtool für die 2018er -23,1 LUFS integrated an. Sie ist also 1,6 dB weniger laut als die 1985er.

Wie unterscheiden sich die die Frequenzspektren der 1985er- und der 2018er-Pressung?

Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Kate Bush – Running Up That Hill
Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Kate Bush – Running Up That Hill

Hounds Of Love ist ein frühes Produkt der komplett digitalen Aufnahmetechnik mit dem Fairlight CMI. Gemastert wurde zwar noch auf analogem Band. Doch ein Großteil der Klangbearbeitung fand schon im Computer statt. Deshalb unterscheidet sich das Spektrogramm für Running Up That Hill in der 1985er-Version stark von den meisten Diagrammenm, die wir sonst so zu Gesicht bekommen. Hier hat es den Anschein, alshabe jemand versucht, alle Frequenzen im hörbaren und gerade so unhörbaren Frequenzbereich gleich laut zu regeln. Von ganz unten bis ganz oben ist alles rot und gelb. Vor allem in den Höhen zwischen 6.000 und 14.000 Hertz hat jemand ordentlich auf die Tube gedrückt und dann wieder zwischen 15.000 und 18.000 Hertz.

Im Vergleich dazu sieht das Spektrogramm für die 2018er-Fassung sehr konventionell aus. An ausgewählten Stellen spielt sie bis in höchste Höhen, in den Mitten und unteren Mitten gibt es Schwerpunkte.

Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Kate Bush – The Big Sky
Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Kate Bush – The Big Sky

„Everything louder than everything else” lautete einst die Devise für Motörhead. Die Abmischung für The Big Sky verfolgt ein ähnliches Ziel, wie das Spektrogramm für die 1985er-Pressung verrät. In der Neuauflage fallen drei Gemeinsamkeiten auf: Sowohl bei 14.000, als auch bei 11.000 und 6.000 Hertz lassen sich in beiden Spektrogrammen horizontale dunkelrote „Streifen“ erkennen. Hier wurde also jeweils ein schmaler Frequenzbereich betont. Abgesehen davon fällt es schwer zu glauben, dass es sich hier um denselben Song handeln könnte.

Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Kate Bush – Under Ice
Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Kate Bush – Under Ice

Solche massiven Differenzen wie in den beiden vorigen Songs, lassen sich aus dem Spektrogramm für Under Ice nicht herauslesen. Die Struktur der Flcähen ist in beiden Sopektrogrammen sehr ähnlich. Die 1985er besitz einen höheren Durchschnittspegel, der sich hier in grelleren Farben niederschlägt. Das war’s aber auch schon.

Frequenz-Spektrogramm (logarithmische Skalierung) für Kate Bush – Running Up That Hill
Frequenz-Spektrogramm (logarithmische Skalierung) für Kate Bush – Running Up That Hill

Die vorigen Spektrogramme besitzen allesamt eine lineare Skala, die sich besonders gut dafür eignet, mittlere und hohe Frequenzen zu untersuchen. Mit einer logarithmischen Skala lassen sich die tieferen Register besser erkennen. Und in dieser Beziehung lassen sich im Spektrogramm für Running Up That Hill kaum spektakuläre Unterschiede erkennen. Beide Pressungen zeigen massive violette Ausschläge im Bass und den unteren Mitten. Da die 1985 einen viel höheren Pegel und eine größere Lautheit besitzt, hätte es uns nicht überrascht, wenn das Spektrogramm für die lautere 1985 viel mehr Energie im Bassbereich anzeigen würde. Zeigt es aber nicht. Relativ zur Lautheit besitzt also die Neuauflage 2018 sogar Vorteile im Bass.

Wie gut klingt die 1985er Pressung von Hounds Of Love?

In den 1980ern waren die Musikindustrie und die Musiker fasziniert von digitaler Aufnahmetechnik und „digitalem Klang“. Darunter verstand man häufig einen hohen Anteil an Digitalhall, der im Unterschied zur analogen Hallerzeugung meist die Höhen nicht dämpfte. Die digitalen Aufnahmen und Hallfahnen klangen also ungewohnt hell und somit „modern“. Heute beschreiben Hörer diesen Sound eher mit „hart“ und „kalt“. Und genauso klingt auch die 1985er-Pressung von Hounds Of Love. 1985 war man bestimmt sehr stolz auf den Klang dieser Aufnahmen und noch mehr auf den Klang der damals sündhaft teuren CD. Neben dem höhen- und hall-lastigen Mastering stört vor allem die starke Kompression und der damit verbundene Verlust an Dynamik. Im Vergleich zur Neuauflage mit dem Remaster von Bernie Grundman fällt diese Version aus audiophiler Sicht also in jeder Hinsicht stark ab.

Wie gut klingt die 2018er-Pressung von Hounds Of Love?

Als sich Bernie Grundman daran machte, Hounds Of Love neu zu mastern, war er in einer viel besseren Situation als der arme Mastering-Ingenieur, der 1985 die Erstausgabe mastern sollte. Jener musste einen Tonträger abliefern, der sich im Radio durchsetzen konnte. Zudem musste er die klanglichen Vorlieben der 80er Jahre befriedigen. Als Grundman dass Mastertape oder Masterfile in die Hände bekam, waren das Album und die ausgekoppelten Singles längst Hits. Und so machte er das einzig Richtige: Er sorgte sich nur um den besten Klang. Deshalb ist die 2018er Fassung von Hounds Of Love der 1985er meilenweit überlegen, wenn es um den Dynamikumfang geht. Zudem klingt die Neuauflage so viel wärmer und natürlicher, dass man sich fragt, was 1985 mit den Aufnahmen angestellt wurde, nachdem sie aus Kate Bushs Studio zum Mastern gegeben wurden. Wäre der kalte, harte Sound schon auf dem Mix enthalten gewesen, wäre es Grundman wohl schwergefallen, ihn hier wieder zu entfernen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass das remasterte Werk den ursprünglichen Sound unverfälscht wiedergibt. So oder so: Die Vinyl-Neuauflage auf Kate Bushs eigenem Label The Fish People klingt um Längen besser als das Original aus dem Jahr 1985.

Titelliste

Side 1

  • Running Up That Hill (Deal With God)
  • Hounds Of Love
  • The Big Sky
  • Mother Stands For Comfort
  • Cloudbusting

Side 2

  • And Dream Of Sheep
  • Under Ice
  • Waking The Witch
  • Watching You Without Me
  • Jig Of Life
  • Hello Earth
  • The Morning Fog
InterpretKate Bush
TitelHounds Of Love
LabelEMI (Club Edition)The Fish People
Katalognummer1C 062-24 0384 10190295593865
Veröffentlicht19852018
Format12“12“
Umdrehungen/Minute33 1/333 1/3
CoverSingle SleeveSingle Sleeve
Beigabenbedruckte Innenhüllebedruckte Innenhülle
Lackschnittk.A.Bernie Grundman
Presswerkk.A.Optimal Media
Matrix-Runout240384 1-A1-C 240384 1-B1-C0190295593865-A VII BI42544-01 A2 BG 0190295593865-B BI42544-01 B1 VII BG
Auflage/Limitierung
Fortlaufende Nummer
HerstellungslandEuropaEuropa

3 Kommentare

  1. It was hard for me to believe that I can read such a long article. Your style was captivating. You came again with an outstanding content as usual. Great Article Neil. Though I had read the article a couple of days ago, I didn’t comment. But, I thought that it was worthy of a thank-you. I’ll use the tips in my own sites in the near future.

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