Let It Be – The Beatles (Remix 2021 vs. 1978)

Let It Be von den Beatles bekam zum 50. Jubiläum einen Remix spendiert. Der Vergleich mit einer sehr guten Pressung aus dem Jahr 1978 bringt die klanglichen Unterschiede zum Vorschein.

Wie entstand Let It Be von den Beatles?

Let It Be ist das zwölfte und letzte Studioalbum der Beatles, das im Mai 1970 veröffentlicht wurde. Der größte Teil der Aufnahmen fand bereits im Jahr 1969 vor den Sessions zum Album Abbey Road statt. Dennoch erschien das Album Let It Be erst danach zeitgleich zum gleichnamigen Film.

The Beatles Let It Be 1978
The Beatles – Let It Be, NL 1978
The Beatles Let It Be 2020
The Beatles – Let It Be, 50th Anniversary, 2020

So liefen die Aufnahmen zu Let It Be in Twickenham

Das Album entstand also wenige Wochen nach dem Weißen Album in einem sehr holprigen und langwierigen Prozess an verschiedenen Aufnahmeorten mit unterschiedlichen Produzenten. Zunächst hatte Paul McCartney vorgeschlagen, die Beatles als Live-Band zu reaktivieren. Am 2. Januar 1969 trafen die Beatles in den Twickenham Film Studios ein und probten zunächst für eine Live-TV-Show. George Martin und Glyn Johns übernahmen die Tonaufnahmen, Regisseur Michael Lindsay-Hogg dokumentierte das Ganze im Film.

Doch die Dinge liefen schlecht. Schon nach wenigen Tagen, am 10. Januar 1969 stieg George Harrison aus der Band aus. Seine Kollegen überredeten ihn zwar nach kurzer Zeit zum Weitermachen. Doch die Idee einer Live-Fernsehshow wurde aufgegeben. Nächstes Projekt: Jetzt sollten im Film die Aufnahmen zu einem neuen Album festgehalten werden.  

So liefen die Aufnahmen zu Let It Be in den Apple Studios

Am 16. Januar wurden die Aufnahmen in Twickenham beendet und die Beatles zogen in ihr eigenes Studio im Apple-Gebäude in der Savile Row in London um.  Erneut saßen Glyn Johns und zeitweilig auch George Martin an den Reglern. Als Gast wurde der Keyboarder Billy Preston eingeladen. Dessen Anwesenheit sich wohl sehr positiv auf die Stimmung zwischen den zunehmend zerstrittenen und unzufriedenen Beatles auswirkte.

Die Beatles spielen den Song Don’t Let Me Down beim Rooftop-Concert.

Bis Ende Januar 1969 jammten die Beatles in ihrem Studio, bevor sie am 30.1.1969 auf dem Dach des Gebäudes das legendäre Rooftop-Konzert gab, das ebenfalls mitgeschnitten und gefilmt wurde. Am folgenden Tag wurden Songs aufgenommen, die sich nicht für die Aufführung auf dem Dach geeignet hatten wie Let It Be oder The Long And Winding Road.

Glyn Johns erhielt schließlich den Auftrag, aus den vielen Stunden langen, teilweise chaotischen Sessions, ein Album zusammenzustellen. Nach einigem Hin und Her, mehreren Versionen und noch mehr Diskussionen mit und zwischen den Beatles stellte Glyn Johns tatsächlich ein Album unter dem Titel Get Back fertig. Die LP fing den Session-Charakter ein und ließ die Beatles sehr roh und ungeschönt klingen. Das Album hätte im August 1969 erscheinen sollen. Einige Kopien gingen sogar schon an amerikanische Radio-DJs, die das Album öffentlich spielten. Doch abgesehen von diesen Promo-Kopien und unzähligen Bootlegs erschien Get Back jetzt erstmals offiziell im Rahmen der Jubiläumsausgabe von Let It Be.

Doch wieder mal kam alles anders. Statt Get Back wurde im September 1969 das Album Abbey Road veröffentlicht und John Lennon verließ die Band.

So lief die Arbeit am Soundtrack zum Film Let It Be

Parallel zu den Aufnahmen an Abbey Road hatte Michael Lindsay-Hogg einen Rohschnitt des Films Let It Be beendet und Glyn Johns wurde damit beauftragt, einen Soundtrack zum Film zu erstellen. Im Film waren aber einige Songs zu sehen, von denen zwar Proben existierten aber keine vollständigen Aufnahmen, wie sie für ein Soundtrack-Album benötigt wurden. Deshalb mussten die Beatles nochmal ran, um im Januar 1970 in den Olympic Sound Studios und den Abbey Road Studios Material für den Soundtrack neu einzuspielen.

So lief die Arbeit am Album Let It Be mit Phil Spector

Im März 1970, also weitere zwei Monate später, engagierten Lennon, Harrison und ihr neuer Manager Allen Klein den US-Produzenten Phil Spector, um aus all den fertigen, halbfertigen und gescheiterten Aufnahmen endlich ein veröffentlichungsreifes Album herzustellen. Das ließ sich Spector nicht zweimal sagen. Doch anstatt das Get Back-Album oder den fast fertigen Soundtrack zu polieren, wählte Spector einen anderen Ansatz: Er fing nochmal ganz von vorne an. Er veränderte die Reihenfolge der Stücke, verwendete andere Versionen und tauschte sogar einige Songs ganz aus, die in vorigen Fassungen des Albums stets enthalten waren. Zudem engagierte er 50 Studiomusiker (vor allem Bläser, Streicher und nicht weniger als 14 Chorsängerinnen) um Across The Universe, I Me Mine und The Long And Winding Road den typischen Spector- Breitbandsound zu verpassen. Also ziemlich genau das Gegenteil, von dem rohen und spontanen Dokument, das den Beatles ursprünglich vorgeschwebt hatte. Am 2. April 1970 war das Album schließlich komplett im Kasten und abgemischt. Paul McCartney versuchte noch, die Veröffentlichung zu verhindern oder wenigstens die Spector-Ergänzungen aus dem Endprodukt wieder entfernen zu lassen. Doch er konnte sich gegen seine Bandkollegen nicht durchsetzen.

Am 10. April 1970 gab McCartney die endgültige Trennung der Beatles bekannt. Einen Monat später, am 8. Mai 1970, erschien Let It Be.

Welche Versionen von Let It Be vergleichen wir?

Pressung 1: Die niederländische Let It Be aus dem Jahr 1978 stammt aus der holländischen Ausgabe des „Blauen Boxset“ namens The Beatles Collection (BC13). Diese Fassung gilt nach Ansicht führender Beatles-Kenner als eine der bestklingenden Versionen der UK-Beatles-Alben. Hier wurden in jedem Fall die analogen Masters verwendet. Kunststück – 1978 gab es noch keine digitalen Musikfiles und die Beatles-Alben wurden erstmals 1987 für CD gemastert.

The Beatles Collection – ein Boxset mit allen UK-Studioalben der Beatles, allesamt vom analogen Master geschnitten.

Das Album selbst steckt ohne viel Schnickschnack in einem Single Sleeve. Auf der Rückseite findet sich das rote Apple-Logo. Weitere Besonderheiten gibt es rund um das 132g schwere Vinyl nicht zu berichten.

Pressung 2: Die aktuelle Pressung aus dem Jahr 2021 stammt aus dem Deluxe-Boxset zum 50. Jubiläum von Let It Be. Ein Jahr zu spät zwar aber immerhin. Giles Martin, der Sohn des Beatles-Produzenten George Martin, und Sam Okell erstellten einen Remix des Albums. Den Lackschnitt erledigte Miles Showell im Half-Speed-Mastering in den Abbey Road Studios, gepresst wurde bei Optimal in Deutschland. Das Vinyl steckt in einem Single Sleeve und wiegt 202g, auf der Rückseite des Covers ist das grüne Apple-Logo zu finden.

Wie unterscheiden sich die Pegel und Dynamik der 1978er- und der 2021er-Pressung?

Wellenform-Diagramm für The Beatles – Two Of Us
Wellenform-Diagramm für The Beatles – Two Of Us

Im Wellenform-Diagramm für Two Of Us lassen sich keine großen Unterschiede zwischen dem Original und dem Remix von 2021 festmachen. Beide wurden ungefähr in gleichem Maße komprimiert und limitiert. Einzig im Intro scheint die 1978er etwas stärker per Kompressor/Limiter bearbeitet zu sein.

Wellenform-Diagramm für The Beatles – Let It Be
Wellenform-Diagramm für The Beatles – Let It Be

Auch das Diagramm für Let It Be offenbart keine Überraschungen. Sowohl der Pegel als auch der Dynamikumfang unterscheiden sich in den zwei Varianten nur geringfügig.

Wellenform-Diagramm für The Beatles – I’ve Got A Feeling
Wellenform-Diagramm für The Beatles – I’ve Got A Feeling

Dasselbe Bild zeigt sich im Wellenform-Diagramm für I’ve Got A Feeling. Die Ähnlichkeiten überwiegen, Unterschiede gibt es – wenn überhaupt – im Detail.

Wie unterscheidet sich die Loudness der 1978er- und der 2021er-Pressung?

Loudness-Messung für The Beatles – Let It Be, Parlophone NL 1978, Seite 1
Loudness-Messung für The Beatles – Let It Be, Parlophone NL 1978, Seite 1
Loudness-Messung für The Beatles – Let It Be, Apple/Universal 2021, Seite 1
Loudness-Messung für The Beatles – Let It Be, Apple/Universal 2021, Seite 1

Bei der Loudness-Messung mit dem Youlean Loudness Meter lässt sich der Dynamikumfang der kompletten LP-Seite vergleichen. Für die Seite 1 der 1978er ergab diese Messung einen Wert von -19,5 LUFS integrated (Loudness Units relative to Full Scale) beim Remix aus 2021 waren es -19,6 LUFS integrated. Also alles gleich? Keineswegs. Wer beispielsweise den dritten und vierten Titel (I Me Mine und Dig It) in beiden Varianten vergleicht, kann an den roten Flächen oberhalb der blauen Flächen im oberen Teil des Diagramms Unterschiede erkennen. Bei der 1978er sind beispielsweise die roten Flächen in I Me Mine sehr klein, bei Dig It sehr groß. Der Remix aus 2021 nivelliert solche Unterschiede.

Loudness-Messung für The Beatles – Let It Be, Parlophone NL 1978, Seite 2
Loudness-Messung für The Beatles – Let It Be, Parlophone NL 1978, Seite 2
Loudness-Messung für The Beatles – Let It Be, Apple/Universal 2021, Seite 2
Loudness-Messung für The Beatles – Let It Be, Apple/Universal 2021, Seite 2

Bei der Messung für die Seite 2 lagen die beiden Versionen von Let It Be weiter auseinander als bei der Seite 1. -18,6 LUFS integrated maßen wir für die 1978er, -19,2 LUFS integrated waren es bei der 2021er. Die 2021er ist also über alles etwa 0,6 dB weniger laut und besitzt einen dementsprechend größeren Dynamikumfang. Auch hier resultiert der Unterschied aus der Vereinheitlichung der Aufnahmen. Schön zu sehen beim zweiten Titel One After 909.

Wie unterscheiden sich die die Frequenzspektren der 1978er- und der 2021er-Pressung?

Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für The Beatles – Two Of Us
Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für The Beatles – Two Of Us

Aus dem Frequenz-Spektrogramm für Two Of Us lässt sich erneut kein großes Geheimnis herauslesen. Beide Varianten spielen in seltenen Ausschlägen bis ganz an den oberen Rand des Frequenzspektrums. In der Regel spielt die Musik aber unterhalb von 12.000 Hertz. Drüber ist nur noch an wenigen Stellen etwas los.

Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für The Beatles – Let It Be
Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für The Beatles – Let It Be

Im Spektrogramm für Let It Be zeigt sich ein Unterschied im Bereich zwischen 4.000 und 8.000 Hertz. In diesem sogenannten Präsenzbereich zeigt das Diagramm für die 1978er Let It Be kräftigere rote Flächen als für den Remix.

Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für The Beatles – I’ve Got A Feeling
Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für The Beatles – I’ve Got A Feeling

Im Spektrogramm für I’ve Got A Feeling zeigt sich erneut eine Betonung der Höhen bei der 1978er. In diesem Fall findet dieser aber eine halbe Oktave höher zwischen 8.000 und 12.000 Hertz statt.

Frequenz-Spektrogramm (logarithmische Skalierung) für The Beatles – Two Of Us
Frequenz-Spektrogramm (logarithmische Skalierung) für The Beatles – Two Of Us

Spektrogramme mit linearer Skalierung verdeutlichen die Unterschiede in den mittleren und hohen Frequenzen. Die Unterschiede im Frequenzkeller lassen sich besser aus Spektrogrammen mit logarithmischer Skalierung ablesen. Das logarithmische Spektrogramm für Two Of Us liefert in dieser Hinsicht jedoch keine neuen Erkenntnisse. Die violetten Flächen für die lautesten Frequenzen im Tieftobereich fallen für beide Varianten etwa gleich groß aus.

Wie gut klingt die 1978er-Pressung von Let It Be?

Let It Be entstand über den Zeitraum von mehr als einem Jahr in verschiedensten Aufnahmesituationen. Und das hört man. Das Album fällt klanglich auseinander. Twickenham, Apple Studios, Rooftop-Concert – die Aufnahmen aus den unterschiedlichen Quellen besitzen einen eigenen Klangcharakter. Dazu kommt Across The Universe, das ein Jahr früher rund um das Weiße Album entstand, und klingt als wäre es in einer Blechdose aufgenommen.

Und zu allem Überfluss versuchte Phil Spector zu retten, was klanglich nicht mehr zu retten war, indem er seinen Spector-Sound darüber kippte. Der Spector-Mix stellt die Effekte wie etwa das Echo auf der Hihat in Let It Be oder Chöre und Streicher weit in den Vordergrund. Vielleicht klang das 1970 aufregend und neu, heute wirkt es ein wenig aufgesetzt und künstlich. Die holländische Pressung von 1978 gibt genau diese Zerrissenheit wieder. Sie klingt hochdynamisch und lebhaft. Dadurch treten die klanglichen Probleme des Albums umso deutlicher hervor.

Wie gut klingt der 2021er-Remix von Let It Be?

Anders als das Album Let It Be Naked, wo auf die orchestralen Spuren unter der Regie von Phil Spector verzichtet wurde, orientiert sich dieser Remix am originalen Phil Spector Mix. Giles Martin und sein Kollege Sam Okell versuchten vor allem, die vielen verschiedenen Quellen etwas homogener klingen zu lassen. Schließlich tönten die Songs aus den Apple Studios anders als die vom Rooftop-Concert. Ganz zu schweigen von den Tonspuren aus Twickenham, die auf einer Nagra Bandmaschine in Mono aufgezeichnet wurden. Giles Martin lässt bei seinem Remix nichts weg, aber er ordnet die Dinge neu und erzeugt so das stimmigere Ergebnis. Die Stimmen klingen weniger nasal als beim Original. Effekte, Chöre und Streicher treten ein klein wenig in der Hintergrund, dadurch entsteht schonmal ein stimmigeres Ergebnis. Und dabei spielen die Beatles auf einer breiten Stereobühne mit einer klaren Tiefenstaffelung.

Zudem klangen Songs wie Let It Be noch nie besser. Als habe man einen Vorhang vor den Boxen weggezogen. Alles wird klarer, transparenter, greifbarer.

Die Hauptaufgabe für Giles Martin bestand aber darin, den klangliche Charakteristik aller Aufnahmen aneinander anzupassen. Across The Universe tönt jetzt weniger blechern. Die Songs von Rooftop-Concert – bislang etwas zu dünn – bekamen mehr Muskeln spendiert und auch der Grundsound der diversen Aufnahmestudios wurde angeglichen. Das Album Let It Be klingt erstmals wie aus einem Guss. Vielleicht verliert es dadurch etwas den dokumentarischen Charakter. Es gewinnt aber musikalische und audiophile Finesse.

Titelliste

Side 1

  • Two Of Us
  • Dig A Pony
  • Across The Universe
  • I Me Mine
  • Dig It
  • Let It Be
  • Maggie Mae

Side 2

  • I’ve Got A Feeling
  • One After 909
  • The Long And Winding Road
  • For You Blue
  • Get Back
The Beatles Let It Be 1978
The Beatles Let It Be 1978
The Beatles Let It Be 1978
The Beatles Let It Be 1978
The Beatles Let It Be 2020
The Beatles Let It Be 2020
The Beatles Let It Be 2020
The Beatles Let It Be 2020
InterpretThe Beatles
TitelLet It Be
LabelParlophone/AppleApple/Universal
Katalognummer5C 062-044330602507138899
Veröffentlicht19782021
Format1×12“1×12“
Umdrehungen/Minute33 1/333 1/3
CoverSingle SleeveSingle Sleeve
Beigaben
Lackschnittk.A.Miles Showell
Presswerkk.A.Optimal Media
Matrix-Runout062-04433-Y-A//13533-3-Y 68-21650-1B-1 5c062-B4433-Y-B//13534-3-YBL36798-01 A1 Miles Abbey Road ½ Speed Room 30 3568099 BL36798-01 B1 Miles Abbey Road ½ Speed Room 30 3568099
Auflage/Limitierung
Fortlaufende Nummer
HerstellungslandNiederlandeDeutschland

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