Let It Bleed – Rolling Stones (2003 Stereo vs. 2016 Mono)

Let It Bleed beinhaltet einige der besten Stones-Songs aller Zeiten. In Stereo klingt das gut, aber in Mono überraschenderweise noch besser.

Wie entstand Let It Bleed?

Let It Bleed ist das achte UK-Studioalbum der Rolling Stones. Es erschien Ende 1969 und wurde wie Beggars Banquet, Goats Head Soup oder Sticky Fingers von Jimmy Miller produziert.

Aufgenommen wurde in den Londoner Olympic Studios im Verlauf des Jahres 1969.Das Album bildet den Übergang der Ära von Brian Jones zur Ära von Mick Taylor ab. Jones, der eigentliche Gründer der Band, ist hier zum letzten Mal auf einem Stones-Album zu hören. Er spielt Autoharp auf You Got The Silver und Congas auf Midnight Rambler. Keith Richards übernahm fast alle Gitarrenparts, da Jones schon nicht mehr dazu in der Lage war. Dessen Nachfolger Mick Taylor ist nur bei Country Honk und Live With Me zu hören.

Rolling Stones Let It Bleed 2003
Rolling Stones – Let It Bleed, 2003, Stereo
Rolling Stones - Let It Bleed, 2016, Mono-Box
Rolling Stones – Let It Bleed, 2016, Mono-Box

Welche Versionen von Let It Bleed vergleichen wir?

Wir haben es hier mit zwei Reissues zu tun. Die eine erschien 2003 in der Rolling Stones Remastered Series in Stereo und verwendet ein digitales Master im DSD-Format. Sie steckt in einem Single-Sleeve und wurde auf 190g Vinyl gepresst.

Unser zweites Exemplar stammt aus der Box The Rolling Stones in Mono und ist folgerichtig in Mono auf 200g gepresst und von einem digitalen DSD-File in Mono gemastert. Das Single-Sleeve besitzt auf der Rückseite ein ausgestanztes Fensterchen mit Blick auf die bedruckte Innenhülle. An der Farbe der Innenhülle ließen sich wohl ursprünglich Stereo- (blau) und Mono-Versionen (rot) unterscheiden.

Weitere Alben aus den Jahren 1969/70 bei Uebervinyl.de

Wie unterscheiden sich Pegel und Dynamik der 2003er- und der Mono-Pressung?

Wellenform-Diagramm (lineare Skalierung) für Rolling Stones – Gimme Shelter
Wellenform-Diagramm (lineare Skalierung) für Rolling Stones – Gimme Shelter

Das Wellenform-Diagramm für Gimme Shelter zeigt, dass bei der Stereo-Version aus dem Jahr 2003 stark mit einem Kompressor/Limiter gearbeitet wurde. Die Pegelspitzen sind abgeschnitten, mehr Transienten wurden bis zur Schwelle des Limiters verstärkt. Die Mono-Version scheint dagegen nachträglich kaum noch per Dynamikkompression bearbeitet zu sein. Die Pegelspitzen schlagen unregelmäßig aus, so wird der gesamte Dynamikumfang eingefangen.

Wellenform-Diagramm (lineare Skalierung) für Rolling Stones – Country Honk
Wellenform-Diagramm (lineare Skalierung) für Rolling Stones – Country Honk

Country Honk wurde dagegen in beiden Versionen keiner zusätzlichen Dynamikbearbeitung unterzogen. Es lassen sich hier keine echten Unterschiede in der Dynamik ablesen. Die Mono ist eben erneut etwas leiser gepegelt.

Wellenform-Diagramm (lineare Skalierung) für Rolling Stones – Midnight Rambler
Wellenform-Diagramm (lineare Skalierung) für Rolling Stones – Midnight Rambler

Wenn die Band in Midnight Rambler wieder elektrisch verstärkt spielt, sehen die beiden Wellen aus wie in Gimme Shelter. Allerdings müssen wir hier mal eine Lanze für die 2003er brechen. Die dynamische Bandbreite der Stereo-Pressung würde man sich bei vielen Remasters wünschen. Hier fällt einfach auf, dass die Mono einfach noch mehr Dynamik zulässt. Die Pegelspitzen schlagen völlig unregelmäßig aus. So wird das Hörerlebnis noch lebendiger.

Wellenform-Diagramm (lineare Skalierung) für Rolling Stones – You Can’t Alway Get What You Want
Wellenform-Diagramm (lineare Skalierung) für Rolling Stones – You Can’t Alway Get What You Want

Im Diagramm für You Can’t Alway Get What You Want gleichen sich die beiden Wellen wieder stark an. Die Stereo ist höher gepegelt, bietet aber ungefähr denselben Dynamikumfang, wie die Variante aus der Mono-Box. In beiden Fällen wurden kaum Pegelspitzen abgeschnitten – das möchten Audiophile sehen.

Wie unterscheiden sich die Frequenzspektren der 2003er und der Mono-Pressung?

Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Rolling Stones – Gimme Shelter
Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Rolling Stones – Gimme Shelter

Im Frequenz-Spektrogramm für Gimme Shelter lassen sich nur geringe Unterschiede ablesen. Der geringere Pegel der Mono sorgt für etwas schwächere Ausschläge der hohen Frequenzen. Das war’s.

Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Rolling Stones – Country Honk
Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Rolling Stones – Country Honk

Auch im Spektrogramm für Country Honk lassen sich eigentlich keine dramatischen Unterschiede ausmachen.

Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Rolling Stones – Midnight Rambler
Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Rolling Stones – Midnight Rambler

Doch im Spektrogramm für Midnight Rambler enden die Gemeinsamkeiten. Die Mono macht oberhalb von 15.000 Hertz einfach Schluss. Im Gegensatz dazu spielt die Stereo an vielen Stellen bis an den oberen Rand des Spektrogramms und damit bis in den unhörbaren Bereich hinein.

Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Rolling Stones – You Can’t Always Get What You Want
Frequenz-Spektrogramm (lineare Skalierung) für Rolling Stones – You Can’t Always Get What You Want

Noch deutlicher fällt der Unterschied im Spektrogramm für You Can’t Always Get What You Want aus. Hier spielt die Stereo die meiste Zeit in den höchsten Frequenzbereichen, während sich die Mono nur manchmal und dann auch eher zögerlich über die 15.000 Hertz hinaus wagt.

Frequenz-Spektrogramm (logarithmische Skalierung) für Rolling Stones – Gimme Shelter
Frequenz-Spektrogramm (logarithmische Skalierung) für Rolling Stones – Gimme Shelter

Spektrogramme mit linearer Skalierung erlauben es, die mittleren und hohen Frequenzbereiche zu untersuchen. Mit einer logarithmischen Skala verdeutlichen sie die Unterschiede in den tiefen Registern. Sofern es welche gibt. Denn die violetten Flächen im Bass und Grundton der Spektrogramme für Gimme Shelter weisen nur geringe Unterschiede auf. Das Delta von der Stereo zur Mono ist gefühlt kleiner als der Pegelunterschied. Daher lässt sich mit Fug und Recht sagen, dass die Mono kein Problem im Bass hat. Die Stereo übrigens auch nicht.

Wie unterscheidet sich die Lautheit der 2003er- und der Mono-Box-Version?

Loudness-Messung für Rolling Stones – Let It Bleed, 2003, Seite 1
Loudness-Messung für Rolling Stones – Let It Bleed, 2003, Seite 1
Loudness-Messung für Rolling Stones – Let It Bleed, Mono-Box, Seite 1
Loudness-Messung für Rolling Stones – Let It Bleed, Mono-Box, Seite 1

Mit dem Youlean Loudness Meter ermitteln Toningenieure beim Mastern die Lautheit von Tonsignalen aller Art. Wir maßen für die Seite 1 der 2003er-Pressung von Let It Bleed -19,3 LUFS integrated (Loudness Units relative to Full Scale), für die Mono-Pressung waren es -20,9 LUFS integrated. Beides sind in Relation zu vielen anderen remasterten Alben gesehen eher moderate Werte. Dennoch bedeutet die Differenz, dass die Mono um 1,6 dB weniger laut ist. Beziehungsweise 1,6 dB mehr Raum hat, um das dynamische Geschehen abzubilden.

Loudness-Messung für Rolling Stones – Let It Bleed, 2003, Seite 2
Loudness-Messung für Rolling Stones – Let It Bleed, 2003, Seite 2
Loudness-Messung für Rolling Stones – Let It Bleed, Mono-Box, Seite 2
Loudness-Messung für Rolling Stones – Let It Bleed, Mono-Box, Seite 2

Auf Seite 2 vergrößert sich der Abstand. Für die 2003er blieb die Messung bei -19,9 LUFS integrated stehen, die Mono-Box landete bei -22,0 LUFS integrated. Die Mono-Fassung hat also stolze 2dB mehr für Dynamik übrig.

Wie gut klingt die 2003er-Pressung von Let It Bleed?

Die Stereobühne von Let It Bleed spielt sich vor allem in der Breite ab, die Tiefenstaffelung ist eher gering. Aber obwohl die 2003er von einem digitalen Masterfile geschnitten wurde, bietet sie einen guten Dynamikumfang, den man häufig nur bei analog remasterten Pressungen bekommt. Besser jedenfalls, als beim aktuellen Remix von Goats Head Soup. Den Lackschnitt übernahm übrigens Mastering-Legende Bob Ludwig, vielleicht liegt es daran.

Klanglich lässt die Stereo kaum zu wünschen übrig. Sie orientiert sich an modernen Hifi-Klangvorstellungen. Ausgewogen im Frequenzgang, die Instrumente sauber abgebildet und mit ausreichend dynamischem Spielraum ausgestattet. Die 2003er ist trotz der digitalen Gene eine sehr gelungene Neuauflage von Let It Bleed.

Wie gut klingt die Mono-Box-Pressung von Let It Bleed?

Während Songs wie Gimme Shelter oder Country Honk lässt sich der Unterschied zur Stereo-Version etwa so beschreiben: In Stereo scheint stets mehr los zu sein, während die Mono-Fassung stärker fokussiert. Lead-Gesang oder Leadgitarre stehen also deutlicher im Vordergrund als in der Stereo-Fassung.

Bei Midnight Rambler bekommt die Mono jedoch einen völlig anderen Klangcharakter als die Stereo. Die Rhythmusgruppe tritt jetzt nach vorne, die Gitarren werden deutlich leiser, als hätte man beim Mischen den Moment ausgenutzt, als Keith aus dem Raum war. Der Song rumpelt und grollt plötzlich, wie wir ihn zuvor nie gehört hatten.

In abgeschwächter Form gilt dasselbe für You Can’t Always Get What You Want. Die Gitarren sind leiser, Bass und Schlagzeug lauter als im Stereo-Mix.

HiFi geht anders. Aber die Mono-Fassung hat dennoch was für sich. Fast ohne Dynamikkompression und mit dem Frequenzgang einer alten Jukebox gibt diese Version aus der Mono-Box vermutlich wahrheitsgetreu wieder, was auf dem originalen Masterband zu hören war. Den digitalen Zwischenschritt auf ein DSD-Master sollte man ihr nicht vorwerfen. Sean Magee, der in den Abbey Road Studios bereits den Schnitt der Mono-Box von den Beatles erledigte, hat ganze Arbeit geleistet. Nach der Originalen Mono-Version aus 1969 ist diese LP wohl das nächstbeste, was man heute kaufen kann.

Titelliste

Side 1

  • Gimme Shelter
  • Love In Vain
  • Country Honk
  • Live With Me
  • Let It Bleed

Side 2

  • Midnight Rambler
  • You Got The Silver
  • Monkey Man
  • You Can’t Always Get What You Want
Rolling Stones - Let It Bleed, 2003, Stereo
Von vorne lassen sich Stereo- …
Rolling Stones - Let It Bleed, 2003, Stereo
Auf der Rückseite besitzt die Mono keinen Barcode, …
Rolling Stones - Let It Bleed, 2003, Stereo
Die Innenhülle der 2003er gibt die wichtigsten Credits.
Rolling Stones - Let It Bleed, 2003, Stereo
Auf der Rückseite blieb die Stereo-Hülle blank.
Rolling Stones - Let It Bleed, 2003, Stereo
Rolling Stones – Let It Bleed, 2003, Stereo
Rolling Stones - Let It Bleed, 2003, Stereo
Rolling Stones – Let It Bleed, 2003, Stereo
Rolling Stones - Let It Bleed, 2016, Mono-Box
… und Mono-Version nicht unterscheiden.
Rolling Stones - Let It Bleed, 2016, Mono-Box
… dafür ein Fensterchen. Rote Innenhülle heißt: Mono.
Rolling Stones - Let It Bleed, 2016, Mono-Box
Die Mono-Hülle bringt dieselben Credits.
Rolling Stones - Let It Bleed, 2016, Mono-Box
Auf der Rückseite gibt es Infos zu Mono- und Stereo-LPs.
Rolling Stones - Let It Bleed, 2016, Mono-Box
Rolling Stones – Let It Bleed, 2016, Mono-Box
Rolling Stones - Let It Bleed, 2016, Mono-Box
Rolling Stones – Let It Bleed, 2016, Mono-Box

InterpretRolling Stones
TitelLet It Bleed
LabelABKCOABKCO
Katalognummer882 332-1018771834519 (Mono-Box)
Veröffentlicht20032016
Format12”12”
Umdrehungen/Minute33 1/333 1/3
CoverSingle SleeveSingle Sleeve
BeigabenBedruckte Innenhülle
LackschnittBob LudwigSean Magee
Presswerkk.A.k.A.
Matrix-Runout882 332-1 A 9004-1A 882 332-1 B 9004-1B144810E7/A 7170041 – A 144810E8/B 7170041 – B
Auflage/Limitierung10.000
Fortlaufende Nummer
HerstellungslandEuropaTschechische Republik

Ein Kommentar

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.