Goats Head Soup – Rolling Stones (1973 vs. Remix 2020)

Goats Head Soup wurde vom selben Team neu abgemischt, das auch die Beatles-Remixe angefertigt hat. Am Resultat haben wir aber einiges auszusetzen.

Rolling Stones - Goats Head Soup, 1973
Rolling Stones – Goats Head Soup, 1973
Rolling Stones - Goats Head Soup, Remix 2020
Rolling Stones – Goats Head Soup, Remix 2020

Welche Versionen von Goats Head Soup vergleichen wir?

Goats Head Soup erschien 1973. Aus diesem Jahr stammt auch unsere deutsche Pressung, die in Deutschland von WEA vertrieben wurde, dem deutschen Arm von Warner Brothers. Sie besitzt das Gatefold-Cover mit den bekannten Damenstrumpf-Porträts der Rolling Stones. Beigelegt wurden zwei Inserts. Eines einseitig bedruckt mit dem Foto des Ziegenkopfes in der Suppe, ein anderes beidseitig bedruckt mit Fotos und Albumcredits. Die Pressung wiegt mit gefütterter Innenhülle schlanke 122 Gramm – 1973 wurde eben am Vinyl gespart.

Gegenüber steht die Neuauflage aus dem Jahr 2020. Hier wurde nicht nur remastert sondern auch neu abgemischt. Giles Martin, der Sohn des Beatles-Produzenten George Martin, saß dabei an den Reglern. Die Neuabmischung basiert auf hochauflösenden digitalen DSD-Files und entstand in den Abbey Road Studios. Sie wurde dortselbst auch im Half-Speed Mastering-Verfahren gemastert. Also genau dasselbe Team und dieselbe Vorgehensweise, welche zuvor die überwiegend gelungenen Remixe der Beatles-Alben Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band, dem Weißen Album und Abbey Road zustande brachten. Es dürfen also hohe Erwartungen angelegt werden.

Die Wiederveröffentlichung gibt es in verschiedenen Ausgaben. Uns lag das Doppelalbum vor, das auf der zweiten LPs mit drei unveröffentlichten Stücken sowie Demos und alternative Versionen der Albumtracks aufwartet. Inserts liegen nicht bei, dafür sind beide Innenhüllen mit den Motiven der Original-Inserts bedruckt. Das Album wird vertrieben von Polydor und wurde auf 184g schweres Vinyl gepresst.

Ein paar Hintergründe zu Goats Head Soup

Jimmy Miller übernahm zum letzten Mal die Aufgabe als Produzent für die Rolling Stones. Seit Beggars Banquet im Jahr 1968 hatte Miller alle Stones-Alben produziert. Und viele Fans halten den Output aus dieser Ära für das Beste, das die Band überhaupt geschaffen hat.

Aufgenommen wurde zum Großteil 1972 und 1973 in Kingston, Jamaika, London und Los Angeles. Mit Songs wie Doo Doo Doo Doo Doo (Heartbreaker), Silver Train oder Can You Hear The Music weist das Album ein breites stilistisches Spektrum auf. Angie und Star Star sollten zudem in den folgenden Jahrzehnten häufig zum Live-Repertoire gehörten. Dennoch gilt das elfte Studioalbum der Stones keinesfalls als ihr bestes.

Wie gut klingen die 1973er- und die 2020er-Pressung von Goats Head Soup?

Das Album beginnt mit Dancing With Mr. D. und sofort fallen drei Unterschiede auf: Der Remix von 2020 klingt heller. Dennoch gibt es deutlich mehr Bass. Und der Gesang ist lauter und besser verständlich. Bei der 1973er-Fassung wurde Mick Jaggers Stimme doch recht tief in den Instrumentenspuren vergraben. Die Texte lassen sich auf der 2020er wesentlich besser verstehen.

In Bezug auf die Transparenz bringt der Remix generell erhebliche Verbesserungen. Alle Instrumente trennen sich schärfer voneinander. Die Stereobühne wird breiter und die ganze Produktion klingt einfach moderner, zeitgemäßer.

Das ist schon deshalb keine Kunst, da das Original von 1973 ziemlich verwaschen daherkommt. Für die 2020er wurde nicht nur der Frequenzgang aufgeräumt, auch an der Breiten- und Tiefenstaffelung wurde mit Erfolg gearbeitet.

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Wie unterscheiden sich Pegel und Dynamik der 1973er- und der 2020-er Pressung?

Wellenform-Diagramm für Angie
Wellenform-Diagramm für Angie

Das Wellenform-Diagramm für Angie zeigt, dass die 2020er-Pressung (unten) eher eine etwas niedrigeren Durchschnittspegel aufweist als die 1973er-Version. Der zusätzliche Headroom wurde aber leider nicht für zusätzliche Dynamik verwendet. Im Bereich links und rechts der Pfeile zeigt sich sogar, dass die 1973er Pressung mehr Dynamik zulässt.

Wellenform-Diagramm für Doo Doo Doo Doo Doo Doo (Heartbreaker)
Wellenform-Diagramm für Doo Doo Doo Doo Doo Doo (Heartbreaker)

Noch deutlicher wird dies im Wellenform-Diagramm für Doo Doo Doo Doo Doo Doo (Heartbreaker) erkennbar. Während die Pegelspitzen der 1973er-Fassung munter unterschiedlich hohe Sprünge aufführen, stoßen sie bei der 2020er regelmäßig gegen die Begrenzung des Limiters und erzeugen über weite Strecken des Stücks eine Kurve wie mit dem Lineal gezogen.

Wellenform Diagramm für Star Star
Wellenform Diagramm für Star Star

Ganz schrecklich finden wir es, wenn der Limiter in die musikalische Aufführung eingreift, so wie bei Star Star. Die Band steigert sich über den Verlauf des Stückes und spielt kontrolliert langsam lauter – und legt gegen Ende des Stücks eine Schippe drauf. Diese musikalische Dynamik bildet die 1973er vorbildlich ab. Im Unterschied dazu bleibt der Pegel der 2020er vom Start weg bis zum Schlussakkord praktisch gleich laut.

Wie sieht der Frequenzgang der 1973er- und der 2020-er Pressung aus?

Frequenz-Spektrogramm für Angie
Frequenz-Spektrogramm für Angie

Der Eindruck aus dem Hörtest hat nicht getrogen, wie das Frequenz-Spektrogramm für Angie offenlegt: Unterhalb von etwa 250 Hertz, also im Grundton- und Bassbereich hat die 2020er erheblich mehr zu bieten als die 1973er. Zu sehen an den violetten Flächen unterhalb der gestrichelten Linie. Beim Hören war uns zum ersten Mal bewusst aufgefallen, dass zu Angie überhaupt eine Bassgitarre spielt.

Frequenz-Spektrogramm für Doo Doo Doo Doo Doo Doo (Heartbreaker)
Frequenz-Spektrogramm für Doo Doo Doo Doo Doo Doo (Heartbreaker)

Auch im Frequenz-Spektrogramm für Doo Doo Doo Doo Doo Doo (Heartbreaker) zeigt sich der höhere Bassanteil der 2020er und die damit verbundenen violetten Flächen. Allerdings lassen sich auch Unterschiede im Höhenbereich feststellen. Unterhalb der gestrichelten Linie zeigt die 2020er mehr rote und gelbe (laute) Flächen in der Region zwischen 1.000 und 10.000 Hertz. Oberhalb der Linie finden sich dafür im Diagramm für die 1973er ein paar Ausschläge mehr.

Frequenz-Spektrogramm für Star Star
Frequenz-Spektrogramm für Star Star

Noch mehr Bass! Das Frequenz-Spektrogramm für Star Star in der 2020er-Version zeigt eine stabile violette Fläche von Anfang bis Ende des Stückes an. 1973 wurde beim Equalizing mehr Gewicht auf die Gitarren und damit die Mitten gelegt.

Welche Pressung von Rolling Stones – Goats Head Soup ist besser?

Dasselbe Team, das die teilweise hervorragenden Beatles-Remixe erstellte, kann hier leider nicht an die Ergebnisse für die Fab Four anknüpfen.   

Den besseren Hifi-Klang bietet zwar eindeutig die Neuauflage. Hier bekommt der Hörer mehr Bass, eine breitere Stereobühne und eine deutlich erweiterte Breiten- und Tiefenstaffelung. Allerdings wurde bei der Neuabmischung für unseren Geschmack viel zu viel Limiter und Kompressor eingesetzt. Viele dynamische Passagen, die in der 1973er-Fassung noch deutlich abgebildet wurden, verschwinden hier leider zu Gunsten eines einheitlichen Pegels. Deshalb will der Funke auch nicht so richtig auf den Hörer überspringen.

Über die Gründe dafür rätseln wir noch. Möglicherweise wurde die Neuauflage für CD- oder Streaming modernisiert und deshalb auf gleichmäßige Lautheit optimiert. Aus audiophiler Sicht ging das jedoch nach hinten los.  

Trotz des verwaschenen Sounds und des mangelhaften Stereobildes bevorzugen wir in diesem Fall die Originalausgabe von Goats Head Soup.

Titelliste

Side 1

  • Dancing With Mr. D.
  • 100 Years Ago
  • Coming Down Again
  • Doo Doo Doo Doo Doo (Heartbreaker)
  • Angie

Side 2

  • Silver Train
  • Hide Your Love
  • Winter
  • Can You Hear The Music
  • Star Star
Äußerlich sind die beiden Versionen ...
Äußerlich sind die beiden Versionen …
Das Cover ist bis auf die Größe der Logos ...
Das Cover ist bis auf die Größe der Logos …
Beim Original waren Infos zu Copyright auf der ...
Beim Original waren Infos zu Copyright auf der …
Die rechte Seite des Gatefolds lässt ...
Die rechte Seite des Gatefolds lässt …
Beim Original von 1973 waren die Fotos der Gastmusiker...
Beim Original von 1973 waren die Fotos der Gastmusiker…
... sind dieselben Fotos und Credits ...
… sind dieselben Fotos und Credits …
Rolling Stones Goats Head Soup 1973 I1
Die Ziegenkopfsuppe fand sich beim Original auf einem …
Rolling Stones Goats Head Soup 1973 S1
Rolling Stones – Goats Head Soup, 1973, Seite 1
Rolling Stones Goats Head Soup 1973 S2
Rolling Stones – Goats Head Soup, 1973, Seite 2
... fast nicht voneinander zu unterscheiden.
… fast nicht voneinander zu unterscheiden.
... und die unterschiedliche Plattenfirma identisch.
… und die unterschiedliche Plattenfirma identisch.
... Innenseite des Gatefolds unten abgedruckt.
… Innenseite des Gatefolds unten links abgedruckt.
... sich nicht unterscheiden.
… sich nicht unterscheiden.
... auf einem Insert zu finden. Bei der Neuauflage...
… auf einem Insert zu finden. Bei der Neuauflage…
... auf den bedruckten Innenhüllen zu finden.
… auf den bedruckten Innenhüllen zu finden.
Rolling Stones Goats Head Soup 2020 I3
… separaten Insert abgebildet. Die Neuauflage druckte …
Rolling Stones Goats Head Soup 2020 I4
… das Foto auf die Innenhülle mit den Credits zu den Outtakes.
Rolling Stones Goats Head Soup 2020 S1
Rolling Stones – Goats Head Soup, 2020, Seite 1
Rolling Stones Goats Head Soup 2020 S2
Rolling Stones – Goats Head Soup, 2020, Seite 2
Rolling Stones Goats Head Soup 2020 S3
Rolling Stones – Goats Head Soup, 2020, Seite 3
Rolling Stones Goats Head Soup 2020 S4
Rolling Stones – Goats Head Soup, 2020, Seite 4
InterpretRolling Stones
TitelGoats Head Soup
LabelRolling Stones RecordsRolling Stones Records
KatalognummerCOC 59 101089 397-0
Veröffentlicht19732020
Format12”2×12”
Umdrehungen/Minute33 1/333 1/3
CoverGatefoldGatefold
Beigaben2 Inserts2 bedruckte Innenhüllen
Lackschnittk.A.Miles Showell
Presswerkk.A.GZ Media
Matrix-RunoutWEA 59 101 A WEA 59 101 BMILES ABBEY ROAD 1/2 HALF SPEED ROOM 30): 0893971-A 208639E1/A3 MILES ABBEY ROAD 1/2 HALF SPEED ROOM 30 MILES ABBEY ROAD 1/2 HALF SPEED ROOM 30): 0893971-B 208639E2/A1 MILES ABBEY ROAD 1/2 HALF SPEED ROOM 30 MILES ABBEY ROAD 1/2 HALF SPEED ROOM 30): 0893972-A 208639E3/A1 MILES ABBEY ROAD 1/2 HALF SPEED ROOM 30 MILES ABBEY ROAD 1/2 HALF SPEED ROOM 30): 0893972-B 208639E4/A3 MILES ABBEY ROAD 1/2 HALF SPEED ROOM 30
Auflage/Limitierung
Fortlaufende Nummer
HerstellungslandDeutschlandEU

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